Rezensionen

Ankes Bewertung 03 Sterne.png

Eigentlich hat die Schatzjägerin Nefertari de Vesci zurzeit kein Interesse an einem neuen Auftrag. Ihrem todkranken Bruder Malachi, dem Earl of Mandeville, geht es nicht gut und sie möchte lieber an seiner Seite bleiben. Doch der Erzengel Azrael schlägt ihr einen Handel vor, den sie nicht ablehnen kann. In der Hoffnung, dass Azrael ihrem Bruder hilft, wird sie für ihn das seit Jahrhunderten verschollene „Zepter des Lichts“ finden.

Azarel ist nicht ganz ehrlich zu Taris, doch er braucht die talentierte Schatzjägerin. Für ihn (und die Seinen) zählt nichts mehr als endlich wieder nach Atlantis zu können, dazu braucht er die Insignien der Macht, eines davon ist das Zepter des Lichts. Problem ist, dass er in Taris nach Jahrhunderten endlich wieder eine Frau gefunden hat, die ihm etwas bedeutet. Aufgrund seiner kleinen Erpressung und seiner Unehrlichkeit wird es jedoch keine Zukunft für sie beide geben. Denn Taris wird ihm nie verziehen, wenn ihr geliebter Bruder stirbt.

Und das ist auch schon das erste Problem, was ich mit der Geschichte hatte, denn was sich in meiner Zusammenfassung eigentlich wie ein reiner Liebesroman anhört, ist tatsächlich ein Abenteuer und Fantasy-Roman, dessen Liebesgeschichte einen gleich großen Anteil einnimmt, wie die Suche nach dem Zepter des Lichts.

Ich kam damit nicht gut zurecht. Entweder ich will einen Liebesroman lesen, der eine abenteuerliche Suche nach Artefakten erzählt oder ich will ein fantastisches Abenteuer lesen, was nebenbei eine Liebesgeschichte erzählt. Marah Woolf, wie mir scheint, will alles auf einmal und weil mich die Abenteuergeschichte mehr angesprochen hat, als die Liebesgeschichte, fand ich das anstrengend zu hören. Dieses Zitat aus einer Amazon-Rezension fasst es hervorragend zusammen: „ein Creme Brulee-kochender Engel verliebt sich in eine reiche, ein wenig sich selbstüberschätzende Adelige ala Tomb Raider........na ja!“ Na ja! Genau das, ist auch meine Einschätzung dieser "Romanze".

Doch auch für die Abenteuergeschichte will die Autorin alles auf einmal. So bettet sie ihre archäologische Schnitzeljagd in eine solche Vielfalt an geschichtlicher und mythologisch-religiöser Epochen ein, die mich schier schwindelig werden ließen und ich den erwähnten Namen, Orten und Begebenheiten kaum folgen konnte. Zwar schätze ich mein Wissen in diesen Bereichen lediglich als rudimentäre ein, doch auch andere Kritiken zur Geschichte haben ähnliches angemerkt, sodass ich mich am Ende nicht allzu schlecht gefühlt habe, nachdem ich es aufgegeben hatte, dem allem folgen zu wollen.

Da mir auch die Liebesgeschichte ein wenig zu dick aufgetragen war (und mich Taris mit ihrer Sorge um ihren Bruder und Azrael, mit seiner Sorge Taris hinter gegangen zu haben, dermaßen genervt haben), habe ich mich stattdessen auf die Interaktion der anderen beteiligten Charaktere konzentriert, zb. auf Seth, der erklärte Feind von Azrael, Dante, der Dschinn oder Horus, der seit ewigen Zeiten mit Azarel abhängt. Sogar Taris‘ Cousine Kimmy fand ich unterhaltsamer als Taris; und das hat schon was zu heißen, da ich auch Kimmy als recht anstrengend empfand. Ich möchte nicht behaupten, dass es keinen Spaß gemacht hat, mich von der Autorin durch diese mythische Schnitzeljagd führen zu lassen oder ich ihre solide Erzählkunst nicht zu schätzen gewusst hätte, doch die Interaktionen unter den Nebenfiguren empfand ich als den am unterhaltsamsten Teil.

Das ungekürzte Hörbuch wird von Dagmar Bittner, die die Erzählperspektive von Taris übernimmt, gesprochen und von Sven Macht, der den Part von Azrael übernimmt. Grundsätzlich hat mir diese geteilte Erzählperspektive sehr gut gefallen. Die „Klangfarbe“ der Sprecher hat jedoch für meinen Geschmack nicht so gut zu den Hauptcharakteren gepasst. Vor allem aber hätte ich es bevorzugt, wenn sich Sven Macht in seinem Part mit den weiblichen Charakteren etwas mehr zurückgenommen und nicht so albern gesprochen hätte, ebenso wie ich es angenehmer gefunden hätte, wenn Dagmar Bittner ihre Stimme bei den männlichen Charakteren nicht so tief verstellt hätte. Doch verglichen mit den anderen Schwächen der Geschichte, ist da Jammern auf sehr hohem Niveau.

Kurzgefasst: ein Fantasy-Epos, eine abenteuerliche Schnitzeljagd nach einem seit Jahrtausenden verschollenen Artefakt und eine überirdische Liebesgeschichte. Diese Geschichte will einfach alles - und das alle zu viel.