Bücherregal-Geplauder #2

von

Historische Liebesromane für Einsteiger Teil 2
Heute: Kathleen E. Woodiwiss – Wie eine Rose im Winter

Ein weiterer Einsteiger-Lese-Tipp ins Genre des historistischen Liebesromans ist die Autorin Kathleen E. Woodiwiss. Sie befindet sich übrigens mit ihren Büchern im derselben Schlafzimmer-Regal-Abteilung, wie Amanda Quick, nur ein paar Böden weiter unten. Bei mir sind die feinsten Adressen, scheinbar die, die in der hintersten Ecke stehen. Aber ich wollte die Autorin und ihre Bücher in Reichweite wissen, wenn ich im Bett liege und ein etwas Lese-Unlust-Heilung benötige. Was – wieder einmal – aktuell auch funktioniert.

Bei dem Titel, der schon eine Weile oop ist, bin ich kein Risiko eingegangen; ich habe mir gleich zwei Exemplare besorgt. Taschenbücher aus dem Anfang der 90ziger, insbesondere solch‘ umfangreiche, wie der Woodiwiss, sind nicht gerade wegen ihrer Jahrhundert-sicheren Bindung bekannt. Und auch meine zwei Ausgaben muten heute schon brüchig an, aber vielleicht reagiere ich auch nur wegen der persönlichen Werte des Romans etwas über und sehe schon „Gespenster“.

Aber zurück zum Einsteiger-Lese-Tipp und warum ich das Buch ausgewählt habe. Wie eine Rose im Winter ist in einem wunderschönen, sehr bildhaften und etwas altmodisch anmutenden Schreibstil geschrieben. Es erzählt von einer durchaus selbstbewussten Heldin, die jedoch immer mal wieder in die Rolle einer überaus ängstlichen und verhuschten Jungfrau schlüpft. Mir kommt es so ein bisschen vor, als hätte die Autorin, die eigentlich einen sehr modernen Liebesroman hätte schreiben wollen, mit einer überaus selbstbewusste Heldin als Hauptfigur, dann doch immer wieder dem Zeitgeist/ihrem Verleger/ dem Lektorat oä. folgen und ihre Erienne zurückpfeifen müssen. Die Folge ist ein etwas ambivalentes Charakterbild, dass man leicht als die Frau weiß einfach nicht was sie will deuten kann und als Leser entsprechend genervt sein könnte.

Das ändert jedoch grundlegend nichts an dem Reiz, den „Die Schöne und das Biest“-Geschichten auf mich ausüben; wobei hier der „Biest“-Aspekt alleine von den verhuschten, überängstlichen, scheu-jungfräulichen Teil von Erienne ausgeht. Besonders schön ist hier auch die Kombination mit dieser „Held in Masken“-Sache, die ich ebenfalls sehr gerne lese; wobei es hier wirklich nur sehr selten gut geschriebene Geschichten zum Thema gibt, finde ich. Aber das ist ein anderes Thema, würde ich sagen.

An dieser Stelle möchte ich alle geneigten Leser jedoch einfach bitten den etwas anstrengenden Heldinnen-Eigenschaften keine Beachtung zu schenken, sondern sich stattdessen in den Zeitgeist hineinversetzten, in dem die Autorin dieses Buch geschrieben hat (das Original stammt von 1982), sich in den Helden Christopher, oder wahlweise in Stuart zu verlieben, zurücklehnen und die Geschichte genießen. Es soll nicht abwertend klingen, aber je leerer euer Geist beim Lesen ist, umso mehr ihr euch fallen lasst und umso weniger ihr in Frage stellt, umso mehr Freunde werdet ihr an der Geschichte haben.

Wie auch Amanda Quick ist Kathleen E. Woodiwiss ein MUSS für alle die einen klassischen Einstieg ins Genre suchen. Und auch für sie gilt, dass natürlich auch ihre anderen Bücher lesenswert sind, doch Wie eine Rose im Winter ist meiner Meinung nach einfach das Beste.

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