Bücherregal-Geplauder #9

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Weil die Gelegenheit günstig – ich also mal nicht vergessen hatte meinen Foto mitzunehmen – habe ich heute beim Bücherregal meiner Eltern einen kurzen Stopp eingelegt. Tatsächlich nicht mehr als einen kurzen Halt, denn obwohl meine Mama bisher in ihrem Leben wohl tausende von Bücher gelesen hat, so ist doch ihre Bibliothek recht übersichtlich; auf dem Foto ist nur ein Teil davon zu sehen!

Und interessanterweise stützt sie sich vor allem auf den Grundstock von Büchern, die auch schon in meiner Kindheit dort standen. Neue sind wirklich nur sehr wenige dazu gekommen.

Ich denke, dass das vor allem daran liegt, dass meine Mama eine begeisterte Stadtbiliotheken-Stöberin und -Leserin ist und sich die meisten Bücher ausleiht. Auch teilt sie ihren Lesegeschmack mit ihrer jüngeren Schwester, der auch meine Cousine miteinbezieht, und wir Kinder unsere Mama ebenfalls gerne unseren bevorzugten Lesestoff unter die Nase halten (und erwarten, dass sie ihn mit mütterlicher Zuneigung begeistert liest – was oft genug nicht der Fall sein dürfte, meine Mama aber zu sehr ihrem Nachwuchs verbunden, dass so unumwunden auszusprechen), sodass sie selber nur wenig Lesestoff eine Heimat bieten muss. Er wird ihr quasi zugetragen.

Für meine Eltern gehören Bücher sind also nicht so sehr ins Inventar, als dass sie frei sein sollen von einem zum anderen zu wandern. Eigentlich auch keine so schlechte Einstellung, vergleicht man sie mit meiner Jahrelangen emsig-ausufernden, in schwindelnde Höhen, SUB-Erhöhung.

Dank der Altbestände in Mamas Bücherregal kann man sich sicher sein, dort auf immer noch seine Jugend-Lieblinge zu stoßen. Wobei ich hier nicht von der Sammlung 5 Freund, Dolly oder Hanni und Nanni-Sammlung spreche (die ist längst in den Keller verdammt) und auch nicht von der (für meinen Geschmack) unheilvollen Vorliebe meiner Kriegskinder-Mutter für national-sozialistische Problem/Aufklärungs/Anti-Kriegs und Erinnerungs-Jugend-Literatur (ich habe das Zeug rein aus Zuneigung für meine Mutter überflogen und auch heute noch keinen Bedarf daran es zu lesen. Vor allem hatte ich gehofft, dass sie schon lange im Keller verschwunden sind! Aber nein, die stehen IMMER noch im Regal. Übrigens, wem es ähnlich geht, der sollte unbedingt einmal Sabine Bode „Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation“ lesen!), sondern von den Büchern, mit denen man sich als junger, noch nicht ganz erwachsener Leser ausprobiert hat und die die Mama ihrerseits als Lesetipp ihrer jungen Erwachsenen-Zeit weitergegeben hat.

Ich habe mal zwei davon auf die Schnelle aus dem Regal gezogen: Harper Lees „Wer die Nachtigall stört“ und Edna Ferbers „Giganten“. In „diese“ Abteilung gehören natürlich noch wesentlich mehr der zig anderen US-amerikanische Klassiker aus den 50zigern, wie auch Jetta Carletons „Wenn die Mondwinden blühen“.

Während meine Mama sich ganz den Rebellen und jungen Wilden James Deans hingegeben hat, hat mein Papa sich intensiv dem (Spionage-)Abenteuer gewidmet, allen voran Dumas, Simmel und John le Carré, was mir die Möglichkeit bot schon früh mit dem Grafen von Monte Christo und den Musketieren eine enge, liebevolle und lange Bekanntschaft zu schließen. Papas heißgeliebtem „Schakal“ jedoch konnte ich nie wirklich die Ehre erweisen, die ihm (anscheint) gebührt. Aber okay, mein Papa konnte von jeher damit leben. Einer weniger (von seinem Nachwuchs), der seine Bücher zerliest!

Und was tummelt sich im Bücherschrank euer Eltern so? Bzw. finde sich dort heute noch die Schätze, die ihr in euren wilden „Entdecker“-Jahren erlesen habt?

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