Cheryl Bolen – Zufällig eine Lady

by

Zufällig eine LadyOriginaltitel: A Lady by Chance
Verlag: Amazon Crossing
ISBN: 978-1477825389
Erscheinungsdatum: September 2014
Genre: Historischer Liebesroman

Teil einer Serie: House of Haverstock

 

Klappentext

siehe Amazon

Ankes Bewertung

Es war eine spontane Wahl, doch da es in der Beschreibung verheißungsvoll „Vernunftehe“ hieß, glaubte ich mich auf der sicheren Seite. Ich liebe historische Liebesromane, die eine Vernunftehe als Einstieg für das ganz große Happy End anbieten und bin deswegen natürlich leicht zum Lesen zu verführen.

Allerdings habe ich in dieser Geschichte einen Vernunftehe-Plot vergeblich gesucht. Vielmehr handelt sich bei dieser Ehe um eine vorsätzliche, ziemlich kaltblütige und zudem ziemlich plump geplante Erpressung, aus Gründen, die ich einfach nicht nachvollziehen konnte, bzw. als ziemlich fadenscheinig erachte.

Und das war erst der Anfang von diversen Unliebligkeiten, mit denen ich mich auf den folgenden 300 Seiten herumgequält habe.

Zugegeben, irgendwann habe ich die Seiten nur noch überfolgen, um einen abschließenden Eindruck über die ganze Geschichte zu gewinnen, aber das war längst schon kein Interesse mehr, sondern lediglich jene Faszination, die einem abschreckt und anzieht, wie ein schrecklicher Unfall.

Ich habe selten so eine lieblose und fantasielos abgespulte Aufzählung von Ereignissen und Begebenheiten zu lesen bekommen. Die Geschichte liest sich so emotionslos, so irritierend distanziert, so kühl und sachlich, dass ich mich unweigerlich fragen muss, wo das Problem liegt, bei der Autorin, der Übersetzung oder vereinigt sich hier gar beides, gewissermaßen in negativer Harmonie?

Zum Teil passen die Sätze gar nicht zusammen und lesen sich im Kontext holprig, zusammengestückelt und furchtbar konstruiert, wie am Zeichenbrett geplant; wobei hier dem Zeichner so einiges durcheinander gekommen ist. Und die Wortwahl ist im Einzelnen immer wieder mehr als …. seltsam.

Ähnlich problematisch ist das mit den Figuren, die einfach keine stimmigen, ganz zu schweigen von harmonischen, Charaktere darstellen, sondern besten als launisch, unberechenbar und ein bisschen schizophren bezeichnet werden könnten.

So sind vor allem die Hauptfiguren, Anna und Charles, unglaublich anstrengend. Mal zärtlich verliebt, mal kindlich naiv und mal unglaublich (und selbst für Fiktion viel zu unrealistisch) kaltherzig und nur um ein paar Sätze weiter so kaltblütig berechnend zu sein, dass sie dem besten Bösewicht Konkurrenz bieten; der in dieser Geschichte übrigens eher eine Witzfigur, den irgendetwas anderes darstellt.

Ach, und habe ich schon erwähnt, dass es mit der Romantik durchaus etwas schwierig werden kann, wenn man die Ehe kaltblütig erpresst? Ich denke, um dieses Ruder noch herumzureißen benötigt es schon einige an erzählerischem Talent.

Tatsächlich könnte es ziemlich spannend sein, wenn man beim Lesen nicht weiß was als Nächstes kommen wird. Aber tatsächlich ist das in diesem Fall einfach nur furchtbar nervig und ermüdet mit der Zeit ebenso zu lesen, wie das hin und her der Gefühle, dessen Pendel innerhalb jeden 12 Stunden-Erzählzeitraum, mal so und mal ausschlägt und das je nach Figur stets gegensätzlich. Irgendwann kommt man als Leser einfach nicht mehr mit, bzw. hat überhaupt keine Lust mehr auf diesen Kindergarten. Puh.

Kurz gefasst: Nur für experimentier- und entdeckerfreudige Fans historischer Liebesromane mit stahlharten Lesenerven und einer masochistischen Veranlagung, sich ein bisschen mit Unterhaltungslektüre zu quälen.

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