Fader Einheitsbrei…

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Hi Ihr Lieben,

na, habt Ihr ESC’ler Euch langsam aber sicher wieder vom Song Contest erholt, der vergangenes Wochenende statt fand? Ich gehöre zu denen, die ihn jedes Jahr schauen, sich aber dann maßlos ärgern. Über so manch nervigen Song, die Punktevergabe und vor allem darüber, dass alles nur noch zu einem einheitlichen Pop-Trash-Brei verkommen ist. Abwechslung- zumeist Fehlanzeige. Hätte es da nicht den Lichtblick, also den Beitrag Portugals gegeben. Wie schön! Der Song erinnerte mich, bei geschlossenen Augen, wohlbemerkt, (ich konnte den Sänger dabei leider nicht anschauen, so leid es mir auch tut, weil seine Performance so verhuscht wirkte) an die Musik alter Hollywoodglanzzeitschmonzetten. Unser deutscher Beitrag hat es immerhin ja auch auf den zweiten Platz geschafft… von hinten. ;-) Aber mal ehrlich, wenn sich das Erste nicht mehr Mühe gibt, bei der Song (Vor)auswahl, denn das Mädel konnte nichts dafür, braucht man sich ja nicht wundern. Gibt es eigentlich noch Songs, die mit einem echten Refrain aufwarten können, anstatt ihn nur vorzutäuschen? Holt irgendwer mal Stefan Raab zurück? *seufz*

Eurovision Song Contest - Kiew 2017

Zu einem genauso traurigen Einheitsbrei verkommt so manche Genrelektüre zur Zeit, will mir scheinen. Seit dem Erfolg von „50 Shades of Grey“ (Warum nur??? Reicht es heutzutage auf, angeblich skandalöse Tabus anzusprechen, um Bücher verkaufen zu können?) springen dermaßen viele Autorinnen auf den Handschellengerasselzug auf, dass es einem schwindlig wird als Leser. Selbst die guten, alten Historical Romances sind nicht mehr davor gefeit, wie ich feststellen mußte. Okay, jedem Tierchen sein Pläsierchen- fast alles hat sicherlich seine Daseinberechtigung, also auch diverse Spielwiesen und Spielzeuge der Lust, doch möchte ich zumindest vorgewarnt werden, bevor ich zu einem solchen Buch greife. So ein „Achtung, hier drinnen wird ordentlich mit den Handschellen gerasselt!“ Oder ein „Achtung Popoklatscher!“ wäre da manchmal hilfreich und würde, als leuchtend magentafarbener Aufkleber, direkt auf dem Frontcover plaziert, sicherlich unter Interessenten für noch mehr Absatz sorgen. ;-)

Vergangenes Wochenende erwischte ich zwar einen handschellengerasselfreien Roman, doch leider entpuppte er sich doch als eine Art „50 Shades of Grey“ Abklatsch. Wir hätten eine fürchterlich passive Heldin mit schlimmer Vergangenheit (sie wurde vom Stiefvater mißbraucht, ihre Mutter nach dem Mord an ihm ins Gefängnis geworfen) die gerne malt. Ausgerechnet der neue, steinreiche (sehr überraschend! *seufz* Soll einem das eigentlich sagen, dass sämtliche Multimillionäre gehörig einen an der Waffel haben?) , schnuckelige Nachbar entpuppt sich, nach einem heißen, sündigen One Night Stand als der Besitzer der Galerie, in der sie ihre Bilder einige Zeit ausstellen durfte; halt bis der Besitzer entschied, dass sie nicht innovativ genug seien, für seine exklusive Galerie. Immerhin, die Heldin scheint seinen sexuellen Ansprüchen zu genügen. Vor allem lässt sie ja auch alles mit sich machen und ordnet sich seinem Befehlston sogleich unter. Spätestens nachdem die Heldin ihren Ärger darüber, dass er ihr verschwiegen hat, wen sie da genau vor sich hat, bevor er bei ihr „andockte“, schnell wieder vergessen hat- schließlich ist sie ja dermaßen vor Lust zerflossen, dass sich ihr Hirn in seine Bestandteile aufgelöst hat, hätten sämtliche Frauenrechtlerinnen vor Entsetzen beim Lesen dieser Zeilen aufgeschrien, wenn sie dieses Buch als Strafe hätten lesen müssen.

Ja, aber leider bedeutet das Recht alles lesen zu dürfen, auch mal auf solch eine entsetzliche Lektüre zu stoßen. Und viele greifen da tatsächlich gerne zu. Ich frage mich wirklich in solchen Momenten, wie man als Leser einen Roman, in dem sich einer der Hauptakteure wie ein gefühlloses „A… loch“ benimmt, überhaupt toll oder romantisch finden kann. Genau das gleiche Unverständnis sucht mich heim, wenn ich es in Büchern wieder mal mit einer schwachen, passiven Heldin zu tun bekomme, die einen Helden anhimmelt, der sich nur für zwei Dinge interessiert. Für sich und feuchte Mädels-Schlüpper. Mein Ding mag es zwar nicht sein, das Handschellengerasselding, doch kann ich in Büchern darüber hinwegsehen, wenn die Liebesgeschichte drumherum glaubwürdig gestrickt wurde. Und vor allem, wenn sich das Heldenpaar ebenbürtig ist und es sich liebt. Sexuelle Anziehung und Bergseen an ausgetauschten Körperflüssigkeiten, reichen mir da leider nicht aus… Und dass die Autorin tatsächlich schreiben kann, hat sie schon oft bewiesen. Diesmal aber, puh… ich war nach dem Lesen des Romans so genervt, dass ich den ESC kaum noch wahr genommen habe, der im Hintergrund lief. Was dann eigentlich unter dem Strich gesehen, eine (die einzige) gute Sache war. ;-)

Aber zurück zum Thema. Ich finde es an sich ja gut, dass der Liebesromanmarkt so boomt. Man hat eine Wahnsinnsauswahl jeden Monat, doch leider befindet sich mittlerweile auch viel fader Einheitsbrei darunter. Mögen Liebesromane auch noch so gut gehen. Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass die Verlage ein wenig kritischer bei der Auswahl ihres Programmes wären. Und so manche Leser ebenfalls.

Eure Nicole