Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Der junge, hochintelligente Einzelgänger Endeavour Morse, hatte zunächst eine akademische Laufbahn im Sinn, doch auf der Universität in Oxford, kam er sich stets vor wie ein Außenseiter. Schließlich verließ er die Uni und beschloss, stattdessen zur Polizei zu gehen.

Sein Vorgesetzter, Fred Thursday, weiß die ungewöhnlichen Gedankengänge von Morse schnell zu schätzen, doch andere Kollegen im Revier beneiden Morse darum, dass er so schnell an Achtung gewinnen kann und so würden sie ihm, nur zu gerne, Steine in den Weg legen. Doch der Erfolg gibt Morse zumeist recht und wenn er sich doch einmal zu sehr in etwas verbeißt, steht ihm Fred Thursday mit Rat und Tat zur Seite, wie ein Fels in der Brandung. Sowieso entwickelt sich der Familienvater Thursday mehr zur Vaterfigur für Morse, als dessen eigener Vater. Überhaupt hat es Morse mit zwischenmenschlichen und familiären Beziehungen schwer, weil er sehr in sich gekehrt und schüchtern gestrickt ist. Um zu entspannen vom Alltag, liebt es Morse, klassische Musik zu hören. Als er in seinen ersten Fällen dann auch noch ausgerechnet auf eine Sängerin trifft, die er bereits seit vielen Jahren bewundert, ist es beinahe um ihn geschehen, doch gottlob lässt ihn sein kriminalistischer Scharfsinn nicht im Stich. Als Fred Thursday und das Police Department von Oxford dann einen neuen Polizeichef vorgesetzt bekommen, wendet sich das Glück für Morse, denn dem gestrengen, verknöcherten Polizeichef sind Morses Methoden mehr als suspekt und er würde den jungen Emporkömmling zu gerne degradieren.  Kann Morse das verhindern?

Als Fan der „Inspektor Lewis“ Reihe, war ich bereits im Vorfeld sehr neugierig auf die angekündigte neue Serie, die in den 1960er Jahren angesiedelt ist, denn es handelt sich bei „Der junge Inspektor Morse“, praktisch um eine Art Pre-Prequel zur „Lewis“ Reihe. Wie man bereits erfahren hat, als Zuschauer der „Lewis“ Reihe, war Inspektor Morse, einst der Chef von Inspektor Lewis, der die genialen Methoden von Morse sehr zu schätzen wusste. Den große Erfolg der „Inspektor Morse“ Reihe, die im englischen Fernsehen in den 90er Jahren ausgestrahlt wurde, war es wohl geschuldet, dass das „Spin-Off“ „Lewis“ überhaupt das Licht der Welt entdecken durfte. Kürzlich lief nun die finale neunte Staffel von „Lewis“ im TV, nachdem Kevin Whately, der Darsteller von Lewis verkündet hatte, aufhören zu wollen, was ich sehr schade fand. Sicherlich dachten sich das auch die Macher der Serie, die ihre „Morse, „Lewis und Hathaway“ Fans nicht im Regen stehen lassen wollten und kamen daher auf die geniale Idee, „Inspektor Morses“ frühe Jahre bei der Polizei einmal Revue passieren zu lassen.

Ihr junger Morse wird verkörpert von Shaun Evans, einem hoch gewachsenen, aber eher schmächtig wirkenden jungen Schauspieler, der seine Rolle jedoch mit einer solchen Intensität und Überzeugungskraft zu spielen vermag, dass man den älteren Morse, innerlich sehr schnell ausblenden kann. Obwohl es durchaus schön ist für Fans, dass sie auf diese Art an neue Fälle des genialen Morse kommen, ist „Der junge Inspektor Morse“ eine eigenständige Serie, die also auch für Neueinsteiger geeignet ist, die die beiden anderen Serien nicht verfolgt haben. Die Krimiserie spielt in den 60er Jahren und neben der zeitgemäßen Ausstattung, den Frisuren, den Autos usw, die es dem Zuschauer leicht machen, sich direkt in diese Zeitepoche hineinversetzen zu können, ist es aber auch wunderbar, dass die Macher der Serie es nicht versäumt haben, das Zeitgeschehen, ob Politik oder damalige Lebenseinstellungen, einfließen zu lassen, was das „Sixties Flair“ perfekt abrundet.

Dazu bekommt man es hier mit einem äußerst charismatischen Ermittlerteam zu tun. Denn nicht nur der hochintelligente Endeavour Morse, der mit seinem grüblerischen, in sich gekehrten Wesen, ein wenig an DCI Hathaway erinnert, kann überzeugen, sondern auch Morses bodenständiger Chef, Fred Thursday, den ich unglaublich sympathisch finde und der brillant verkörpert wird von dem britischen Schauspieler Roger Allam. Dazu gesellen sich der freche Pathologe Dr Max DeBryn, alias James Bradshaw, der immer einen trockenen Witz auf Lager hat, der gutmütige und freundliche Bobby „Strange“ ( Sean Rigby) und Morses anfänglicher Gegenspieler und Kollege Peter Jakes ( Jack Laskey) . Obwohl alle fünf Fälle der ersten Staffel knifflig geraten, atmosphärisch dicht und spannend sind, und vor allem mit unerwarteten Wendungen aufwarten können, hatte ich doch eine Lieblingsfolge, die ich besonders packend geschildert fand. (Mord nach Noten) In dieser müssen Morse und Thursday einen Serienkiller überführen, der ein Faible für Opernzitate hat. Gefallen hat mir zudem, dass die persönlichen Hintergründe der agierenden Hauptfiguren erzählt werden, so dass man das Wesen von Morse und Thursday noch besser nachvollziehen kann.

„Der junge Inspektor Morse“, ist mental ein ganz ähnlich gestrickter Serienheld, wie der junge „Sherlock Holmes“, grandios verkörpert von Benedict Cumberbatch und so würde ich diese Serie auch Zuschauern empfehlen, die „Sherlock“ mögen. Die erste Staffel hat eine Lauflänge von 450 Minuten, Bonusmaterial ist leider nicht vorhanden, abgesehen von diversen Krimitrailern. In der Box sind drei DVD’s enthalten, auf der sich die Pilotfolge und vier weitere Fälle befinden. Bild und Ton können überzeugen, so dass hier auch technisch nichts zu kritisieren ist.

Die Staffel enthält die Folgen: Pilotfolge- Ein Gedicht, Mädchen, Mord nach Noten, Alte Liebe, Leichte Beute.

Übrigens, wer nicht genug bekommen kann von Inspektor Morse. Auf dem Sender zdf neo werden momentan, immer am Sonntag, auch die weiteren Staffeln der Reihe (2 – 4) gezeigt.

Kurz gefasst: Brillant und clever wie Sherlock Holmes- Endavour Morse, ein genialer Ermittler aus Oxford, lässt bitten. Starke, atmosphärisch dichte 1. Staffel, auch für Neueinsteiger geeignet und nicht nur für eingefleischte „Inspektor Morse“ und „Lewis“ Fans empfehlenswert.