Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Nachdem Arthur Kipps Frau vor ein paar Jahren bei der Geburt des gemeinsamen Sohnes starb, steht Arthur ein wenig neben sich, vermisst seine Frau so sehr, dass er lediglich für seinen Sohn weitermacht. Arthur arbeitet als Anwalt in einer Kanzlei und bekommt die Order, dass er sich aufmachen soll an die englische Küste, an der in einem sehr abgelegenen Herrenhaus mitten auf einer Insel die lediglich bei Ebbe zu erreichen ist, eine alte Frau starb. Dort muss er Hunderte von Papieren der Verstorbenen durchschauen und den Nachlass regeln.
Im Zug lernt Arthur den reichen Samuel Daily kennen, der im Dorf unweit des Anwesens von Arthurs verstorbener Klientin zusammen mit seiner Frau lebt. Dieser reagiert etwas befremdlich, als er erfährt, welche Aufgabe Arthur zu erledigen hat, doch er schweigt sich über seine Gründe aus. Die Dörfler jedoch zeigen ihre Abneigung Arthur gegenüber sehr offen und selbst eine Dachkammer in der Pension wird ihm nur äußerst widerstrebend zugebilligt.

Kaum dass Arthur im Dorf angekommen ist und einen Besuch zum Haus unternommen hat, bei dem er auf dem verwilderten Familienfriedhof eine Frau in schwarzer Witwentracht sah, die wie von Geisterhand wieder verschwand, kommt es im Dorf zu einem scheinbaren Unglücksfall. Ein kleines Mädchen hat ätzende Lauge getrunken und verstirbt in Arthurs Armen. Die Dörfler reagieren aufgebracht und beschwören Arthur, umgehend nach London zurückzukehren, warum sagen sie ihm jedoch nicht. Doch der weigert sich, denn sein Job hängt auf der Kippe und so beschließt stattdessen, auf dem Anwesen seiner verstorbenen Klientin zu übernachten. Er weiß nicht, auf was er sich einlässt…

Der Kinofilm „Die Frau in Schwarz“ aus dem Jahre 2012 basiert auf der gleichnamigen Romanvorlage von Susan Hill, allerdings hat die Storyline des Films (bis auf die Grundidee) nicht mehr allzu viel mit der Romanvorlage zu tun und wartet zudem auch mit einem völlig anderen Ende auf, als es im Buch der Fall ist. Ich hatte zuvor den Roman gelesen, der mir bereits sehr gut gefallen hatte und war nun sehr gespannt darauf, ob die Filmemacher die düstere Gothic-Atmosphäre des Schauerromans von Susan Hill auch auf die Leinwand transportieren konnten. Dies ist ihnen gelungen; mehr noch, die Schockelemente die das Buch beinhaltete, wirkten im Film noch um Vieles aufregender und erschreckender. War ich beim Lesen des Buches schon fasziniert davon, mit wenig Aufwand die Autorin eine gruselige Atmosphäre schaffen konnte, hat mich die filmische Umsetzung im wahrsten Sinne des Wortes dann regelrecht begeistert. Ich glaube ich hätte mir im Vorfeld niemals vorstellen können, wie sehr mich eine Spieluhr in Aktion, aus der viktorianischen Ära dermaßen erschrecken kann, wenn sie im Mittelpunkt einer äußerst gruseligen, atmosphärisch dichten Situation steht. Ein weiteres Gruselhighlight war für mich der Schaukelstuhl. Ich glaube ich werde wohl eine lange Zeit immer wieder an den Film erinnert werden, wenn mir ein solches Sitzmöbel unterkommt…

Trotz der schon im Buch sehr spannenden Story hat mir die Änderung der Storyline für die filmische Umsetzung einen Tick besser gefallen, denn sie macht die Geschichte etwas Tempo und actionreicher und man entwickelt etwas schneller Verständnis dafür, was die Dörfler bewegt.
Gelungen fand ich die schaurig schönen fahlbläulichen/grünlichen Lichteinwirkungen innerhalb des Films und auch das Setting selbst; sowohl das kleine Dorf an der Küste, die geheimnisvolle Insel auf der das Herrenhaus steht, hätte passender nicht sein können.

Während für viele Kinogänger wahrscheinlich allein Harry Potter Darsteller Daniel Radcliffe ein Grund dafür war, sich „Die Frau in Schwarz“ anzusehen, war es für mich genau dieser Punkt; der mich lange Zeit zögern ließ, weil ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen konnte, dass Radcliffe in schauspielerischer Hinsicht mittlerweile so gereift ist, dass er einen seelisch gebrochenen Mann so überzeugend verkörpern kann. In dieser Hinsicht wurde ich jedoch völlig überrascht. Radcliffe kann seine Figur nicht nur überzeugend und glaubhaft darstellen, sondern wirkt zudem sehr erwachsen und sensibel zugleich.
Für die Rolle des Samuel Daily, der vor vielen Jahren seinen Sohn verlor und Arthur nun helfend unter die Arme greift, wurde Ciran Hinds ein irischer Charakterdarsteller, auch bekannt aus BBC Verfilmungen wie „Jane Austens- Verführung“ verpflichtet. Hinds Rolle ist vielleicht nur überaus groß, dennoch spielt er seine Figur; die des einzigen Dörflers der nicht an einen bösartigen, rachsüchtigen und umherwandernden Geist glauben mag, sehr überzeugend.

Trotz der Tatsache, dass Buchvorlage und Film nicht sehr viel gemeinsam haben, würde ich allen, die das Buch noch nicht kennen sollten, sich jedoch auf Beides stürzen möchten, empfehlen, zunächst den Film anzusehen- so bleibt einfach mehr Spannung erhalten.
Für Kinder ist dieser Film jedoch nicht empfehlenswert. Dass die FSK für die DVD auf 16 heraufgesetzt wurde geht daher völlig in Ordnung!

Kurz gefasst: „Die Frau in Schwarz“ ist eine gruselige Gothic-Schauer-Romanverfilmung der alten Schule, die beweist, dass es in einem guten Film nicht immer vor Special Effects wimmeln muss, um seinen Zuschauern das Fürchten und Gruseln zu lehren. Für Zuschauer, die schon Filme wie „The Six Sense“ gut fanden, ist auch „Die Frau in Schwarz“ sehr zu empfehlen!