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Nicoles Bewertung

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Der Geschäftsmann Arthur Clennam kehrt nach dem Tod seines Vaters, der sich mit ihm auf Geschäftsreise befand, mit einem letzten Auftrag zurück nach England. Im Gepäck hat er eine goldene Uhr, in der sich eine persönliche Botschaft für Arthurs Mutter befindet. Doch als Arthur seine Mutter zur Rede stellt- er befürchtet, dass die Clennams einst etwas Unehrenhaftes getan haben, schweigt sich die alte, verbitterte Frau aus und weist ihm, wie immer, kühl und unnahbar die Tür.

Im Haus befindet sich zu dieser Zeit, als Arthur mit seiner Mutter spricht, auch die junge Näherin Amy Dorrit. Sie stammt aus ärmlichen Verhältnissen und lebt zusammen mit ihrem Vater seit über zwanzig Jahren im Schuldnergefängnis. Doch warum ausgerechnet sollte Arthurs Mutter, eine unfreundliche, kalte Person, einer jungen fremden Frau Mildtätigkeit angedeihen lassen?

Arthur ist neugierig und sucht Amy und ihren Vater im Schuldnergefängnis auf, um Licht ins Dunkel zu bringen. Doch auch diese Nachforschungen führen zunächst ins Leere- außer dass Amy und Arthur sich anfreunden und er, immer noch im Glauben, dass seine Familie Amys einst Unrecht tat, die Dorrits unterstützt.

Als ausgerechnet Pancks, ein Geldeintreiber, der für einen menschenverachtenden Vermieter arbeitet, Arthur seine Hilfe anbietet, ist Arthur zunächst skeptisch, doch Pancks findet Erstaunliches heraus- Amys Vater, ist der Alleinerbe eines riesigen Vermögens und kann seine Gläubiger nun alle auszahlen.

Von einem auf den anderen Tag sind die Dorrits reich wie Krösus und können sich in der gehobenen Gesellschaft bewegen. Doch Amy, die sich unsterblich in Arthur verliebt hat, kann sich nur sehr schwer an ein anderes Leben gewöhnen- ein Leben, dass ihr zwar viele Vorteile bietet, ihr jedoch das Einzige verwehrt, das sie über alles begehrt, da sich ihre Familie nur zu schnell an den Reichtum und den ihrer Meinung nach dazugehörigen Standesdünkel gewöhnt hat und nun alle alten Brücken hinter sich abbricht.

Amy reist schließlich mit ihren beiden Geschwistern und ihrem Vater nach Italien, um dort in aller Abgeschiedenheit gesellschaftlichen Schliff zu bekommen. Wird sie Arthur jemals wieder sehen und wird sie ihm irgendwann mehr sein, als nur eine gute Freundin? Und was ist mit dem dunklen Geheimnis der Clennams? Wird es jemals aufgeklärt werden?

Zugegeben, ich entdeckte Period Dramas der BBC recht spät und auch, was "Stolz und Vorurteil" (mit Colin Firth & Jennifer Ehle) angeht, erst im zweiten Anlauf für mich. Doch irgendwann war ich regelrecht bezaubert von der Umsetzung diverser Romanvorlagen, Authentizität der Kostüme, Kulissen und nicht zu vergessen, den beeindruckenden schauspielerischen Leistungen der Darsteller. Eigentlich sind fast alle bisher in deutscher Synchronisation herausgegebenen BBC Verfilmungen sehr gut, doch nur wenigen gelingt es, ihre Zuschauer von Anfang bis Ende zu fesseln und den Spannungsbogen konstant aufrecht zu erhalten. "Little Dorrit" gehört dazu - bei über 470 Minuten Filmmaterial wird es nicht eine Minute langweilig. Die Romanvorlage von Charles Dickens wartet mit jeder Menge an Intrigen, Verwicklungen, düsteren Geheimnissen- und typisch für Dickens, mit einigen skurrilen und schrulligen Charakteren auf, die für einige amüsante aber auch nachdenkliche Momente beim Schauen der 14-teiligen Miniserie, sorgen.

Eigentlich wurde "Little Dorrit" als Episodenroman vom Autor geschrieben und da die BBC diese Konstellation auch in filmischer Form beibehalten hat, befinden sich am Ende jeder 30 Minuten-Folge neue Cliffhanger, die den Zuschauer fesseln. (Nur die erste und die letzte Folge haben eine längere Laufzeit)

"Little Dorrit" funktioniert als hochwertige Seifenoper in historischem Gewand, sprachlich auf sehr hohem Niveau, dennoch nie zu abgehoben und sie driftet auch nicht in zu seichte Gefilde ab. Allerdings werden zunächst auch recht viele Nebenakteure eingeführt, die für Verwirrung sorgen, am Ende jedoch nicht unbedingt sehr wichtig für den Haupthandlungsstrang sind.

Interessant fand ich die Einblicke in das damalige Leben der 1820er Jahre aus Sicht der Bürgerlichen und armen Menschen und die verqueren Moralvorstellungen und fragwürdigen Ansichten der so genannten besseren Gesellschaft die Dickens schonungslos entlarvt.
Die Liebesgeschichte zwischen Amy und Arthur entwickelt sich sehr langsam - Arthur tappt nach meinem Geschmack etwas zu lange im Dunkeln was Amys Gefühle für ihn angeht, bis er von einem anderen praktisch mit der Nase darauf gestoßen wird. Das hätte auch ein wenig anders vonstatten gehen können, aber ich will auch nicht meckern oder zu kleinlich sein- romantisch fand ich dann ihr Zusammenfinden doch. ;-)

Gespielt werden Amy und Arthur von Claire Foy und Matthew Macfadyen - letzterer war erst kürzlich in der Rolle des Prior Phillip in Ken Follets "Säulen der Erde" Verfilmung im deutschen TV zu sehen.

Beide geben eine gute schauspielerische Leistung ab und können in ihren Rollen überzeugen, wobei Dickens seinem Heldenpaar vielleicht ein wenig zu viel Gutmütigkeit auf den Leib geschrieben hat- was aber natürlich nicht den Akteuren anzulasten ist. ;-)

Aber auch die Akteure in den Nebenrollen können überzeugen- wobei ich besonders angetan war von Andy Serkins Darstellung des französischen Ganoven und Mörders Rigaud, der mir einige Grusel/Gänsehautschauer beschert hat und die von Eddie Marsan in der Rolle des Mr. Panks.


Little Dorrit

Buchvorlage: Charles Dickens

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Originaltitel: Little Dorrit
Studio: KSM GmbH
ASIN: B002ZBD3LA
Erscheinungsdatum: September 2010
Genre: Historisch

Schauspieler ua: Claire Foy, Matthew Macfadyen, Tom Courtenay

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